Hamburger Schule: Wie Kultur abgebaut wird und wie man sich dagegen wehrt

"Riding the Avalanche" - So lautete vor zweieinhalb Wochen das Motto der stARTconference, dem wichtigsten Kulturmanagement-Kongress im deutschen Sprachraum. Die Potenziale von Social Media im Zusammenhang mit Kulturinstitutionen erkennen und strategisch richtig zum Einsatz bringen - davon handelten viele der Vorträge. Die Einsatzmöglichkeiten sind in der Tat vielfältig und vielversprechend, wie gleich mehrere Projekte, die im Ruhrgebiet präsentiert wurden, zeigen. Mit Shelley Bernstein vom Brooklyn Museum in New York wurde auch noch eine Vorreiterin aus den USA eingeladen, die ihrerseits eindrucksvoll demonstrierte, wie Kultureinrichtungen in ihrem daily business vom Web 2.0 profitieren können. Nun gehören, könnte man fast schon zynisch anmerken, zum daily business auch Kulturetatkürzungen und im extremen Fall auch Schließungen von Einrichtungen. Wenn Kultur in die Defensive gerät, wird das Social Web v.a. als Vernetzungstool von Protestplattformen wichtig. Zu beobachten derzeit in Hambrug rund um die geplanten städtischen Subventionskürzungen für das Deutsche Schauspielhaus und die angedachte Schließung des Altonaer Museums. (Von MARKUS LEITER)

Im Folgenden eine Aussendung des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, das mittlerweile auch seine Facebook-Seite ganz in den Dienst der Protestvernetzung gestellt hat, sowie eine (natürlich auch via über das Social Web initiierte) Flashmob-Protestaktion von Studio Braun.

Hier die AUSSENDUNG:
Wir sind das Schauspielhaus. – Sie auch?

Am Mittwoch hat der Hamburger Senat verkündet, den Etat des Schauspielhauses um 1,2 Millionen Euro zu kürzen. Die anderen Staatstheater in Hamburg wurden von Kürzungen verschont. Im Schauspielhaus ist die Nachricht wie eine Bombe eingeschlagen. Das ist eine Kampfansage der Hamburger Kulturpolitik an unser Haus.
1,2 Millionen sind mehr als 50% des künstlerischen Etats. Damit sind wir wieder einen Schritt näher an der finsteren Vision von Jürgen Flimm, dass der Vorhang des Hauses hochgeht, die Maschinerie sich bewegt, aber kein Schauspieler mehr auf der Bühne steht.
Der Umfang der Kürzung ist so hoch, dass sie sich nur durch strukturelle Maßnahmen ausgleichen lässt. Das heißt für das Schauspielhaus das Ende aller kleineren Spielstätten und damit in letzter Konsequenz das Ende der Sparte Junges Schauspielhaus.
Alle Mitarbeiter und Kollegen aus anderen Theatern, aus anderen Institutionen, Kulturschaffende und -freunde sind fassungslos, entsetzt und traurig, dass so etwas in Hamburg möglich sein soll. Noch wissen wir nicht, was die Politik in Hamburg mit diesem Haus vorhat. Wir haben heute dem Kultursenator in einem ausführlichen Gespräch die gesamte Tragweite des Kürzungsbeschlusses von 1,2 Millionen Euro deutlich vor Augen geführt. Wir sind enttäuscht, dass diese Kürzung nach wie vor im Raum steht und nicht zurückgenommen worden ist.
Wir sind für die laufende Saison und die gesamte Spielzeit 2011/12 mit der Leitung des Deutschen Schauspielhauses beauftragt. Möglicherweise wird unser Auftrag auch noch darüber hinausgehen, da noch nicht klar ist, bis wann ein neuer Intendant gefunden werden kann.
Wir wollen uns nicht damit abfinden, dass eines der profiliertesten, traditionsreichsten und größten deutschen Theater so massive Einschnitte durch eine kurzsichtige Sparpolitik erfährt und werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Kulturabbau in Hamburg vorgehen.
Wir danken allen Kulturschaffenden, die so schnell und deutlich ihre Solidarität und Unterstützung demonstriert haben, allen voran den Kolleginnen und Kollegen, die sie heute während unseres Gesprächs vor der Kulturbehörde einmal mehr unter Beweis gestellt haben. Sie haben damit gezeigt, dass die Sparbeschlüsse nicht nur als Bedrohung für die Leistungsfähigkeit und Existenz des Deutschen Schauspielhauses zu verstehen sind, sondern die gesamte Hamburger Kultur und damit das Ansehen der Stadt massiv gefährden. Wir alle werden weiter gegen die Kürzungen kämpfen. Kämpfen Sie mit! Nicht nur wir sind das Schauspielhaus – Sie auch!

Jack Kurfess, Florian Vogel, Klaus Schumacher, Michael Propfe, Frank Behnke"

Die FLASCHMOB-AKTION von "Studio Braun" (Heinz Strunk, Rocko Schamoni, Jacques Palminger):Proteste_Deutsches-Schauspielhaus Click on the image to get there...

Das leider nicht neue "Hamburg-Thema" (Stichwort: Gängeviertel-Kontroverse im vergangenen Jahr) wird in "Beyond Journalism" natürlich noch öfter und intensiver aufgegriffen werden. Am Montag fliege ich übrigens nach Hamburg, um dort am diesjährigen scoopcamp teilzunehmen. In der Woche meines Aufenthalts in der Hansestadt ist - seit längerem geplant und gebucht - ein Besuch der Weibsteufel-Produktion des Wiener Burgtheaters vorgesehen. Diese findet - nona - im Schauspielhaus statt und ist - eh klar - ausverkauft.

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